(Platten-) Grenzen erfahren: Walter Kurz

Expedition 366 erforscht die Serpentinit-Schlammvlkane des sogenannten Mariana Forearc, also der Zone zwischen Marianengraben und den Inselbogen-Vulkanen der heutigen Marianeninseln. Aktive Plattengrenzen der Lithospäre, von denen die ozeanische Lithosphäre ca. 70% ausmacht, sind das vorrangige Forschungsgebiet von Walter Kurz. Er ist Professor für Geologie an der Universität Graz. Mit der ozeanischen Lithosphäre beschäftigt sich Walter bereits seit seiner Promotion über das Tauernfenster, denn dort ist ebenfalls ozeanische Lithosphäre zu finden – in den Gipfelbereichen der Ostalpen. Um noch mehr über sein Spezialgebiet herauszufinden nimmt er – in der vorlesungsfreien Zeit- an dieser 8-wöchigen Expedition der JOIDES Resolution teil. Er hat bereits an Expedition 344 und an Expedition 352 teilgenommen und ist somit zum dritten Mal dabei, was eine Neigung zu Grenzerfahrungen anderer Art erkennen lässt, denn diese Expeditionen sind mit 12 Stunden Schichtdienst pro Tag an sieben Tagen die Woche auch knallharte Arbeit.

Foto: Walter mit John Shervais und Kevin Johnson am “Sampling Table”

Als ich nach der Motivation für seine wiederholte Teilnahme frage, erklärt Walter, dass es sich auf Expedition 344 in der Gegend um Costa Rica um eine erosive Plattengrenze, mit flachem Subduktionswinkel und hoher Seismizität gehandelt habe. Hier im Bereich des Marianengrabens sei die Situation etwas anders. Expedition 352 führte zum weiter nördlich gelegenen Izubonin-Trench, wo mehr Mantelperidotit geschmolzen wird. Dort habe man sich mit neugebildeter Kruste beschäftigt. Hier am weiter südlich gelegenen Mariana Convergent Margin seien es eben die Fluide aus der abtauchenden pazifischen Lithosphärenplatte und die geochemischen Prozesse , die ihn am meisten interessieren. Sie seien es schließlich, die beim Aufsteigen durch den Mantelkeil und die Kruste der philippinischen Platte zur Serpentinisierung von Mantelmaterial führten.

Foto: Walter im Fachgespräch mit Patty Fryer

Walter ist, wie auch sein Freund John Shervais und Co-Chief-scientist Patty Fryer begeistert von den Serpentinit-Schlammvulkanen, die es nur hier im Bereich des Marianengrabens gibt. Begeistert von den riesigen Bergen aus blaugrünem Schlamm, von denen die übrige Welt nichts weiß, Walter aber immer mehr erfährt.